Ratgeber

Was passiert in der KVA mit unserem Kehricht?

Der Kehrichtsack, den Sie an den Strassenrand stellen, landet in einer der 29 Kehrichtverwertungsanlagen der Schweiz. Dort wird er nicht einfach vernichtet: Aus dem Abfall entstehen Wärme, Strom und zurückgewonnene Metalle.

Die KVA in der Schweiz

Laut dem Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen (VBSA) sind in der Schweiz 29 Kehrichtverwertungsanlagen (KVA) in Betrieb. Sie verwerten den brennbaren Abfall aus Haushalten und Betrieben, der nicht separat gesammelt wird. Brennbare Abfälle dürfen in der Schweiz nicht unbehandelt auf eine Deponie. Sie werden deshalb thermisch verwertet. Eine Übersicht aller Anlagen mit Standort finden Sie auf der Seite KVA in der Schweiz.

1. Anlieferung und Bunker

Kehrichtfahrzeuge, Firmen und an vielen Orten auch Privatpersonen liefern den Abfall an. Er wird gewogen und in einen grossen Bunker gekippt. Ein Kran mischt den Abfall durch, damit er möglichst gleichmässig brennt, und füllt ihn in den Trichter des Ofens. Sperrgut wird vorher oft zerkleinert.

2. Verbrennung

Im Ofen brennt der Abfall auf einem beweglichen Rost bei hohen Temperaturen. Organische Stoffe werden dabei zerstört, und das Volumen schrumpft stark. Der Kanton Zürich gibt an, dass die thermische Verwertung die Masse des angelieferten Abfalls um rund 80 Prozent reduziert.

3. Energie: Strom und Fernwärme

Die heissen Rauchgase erhitzen in einem Kessel Wasser zu Dampf. Mit diesem Dampf erzeugt eine Turbine Strom. Die verbleibende Wärme wird, je nach Standort, in ein Fernwärmenetz eingespeist oder als Prozessdampf an Industriebetriebe geliefert. Wie viel Energie genutzt wird, hängt stark davon ab, ob es in der Nähe genügend Abnehmer für die Wärme gibt. Der VBSA beschreibt die Nutzung der Wärme für Heizung und Stromproduktion als zentrale Aufgabe der Anlagen.

4. Rauchgasreinigung

Bevor die Abgase durch den Kamin gehen, durchlaufen sie eine mehrstufige Reinigung. Dabei werden Staub, Säuren, Schwermetalle und Stickoxide abgeschieden. Die Grenzwerte der Luftreinhalte-Verordnung (LRV) werden laut Kanton Zürich bei den Zürcher Anlagen meist stark unterschritten. Was aus dem Kamin aufsteigt und weiss aussieht, ist bei Anlagen mit nasser Rauchgasreinigung zu einem grossen Teil Wasserdampf.

5. Schlacke und Metallrückgewinnung

Nach der Verbrennung bleibt Schlacke zurück, eine Mischung aus mineralischen Resten, Glas, Keramik und Metallen. In spezialisierten Anlagen werden daraus Eisen und Nichteisenmetalle wie Aluminium und Kupfer zurückgewonnen. Diese Metalle gehen wieder in die Industrie. Auch aus der Filterasche, die bei der Rauchgasreinigung anfällt, lassen sich Metalle zurückgewinnen.

6. Was übrig bleibt: die Deponie

Was nach der Rückgewinnung nicht mehr verwertet werden kann, wird auf einer Deponie abgelagert. Weil die Masse bei der Verbrennung stark abnimmt, ist das nur noch ein Bruchteil des ursprünglichen Kehrichts. Der Platz auf Deponien ist aber begrenzt, und jedes Kilo, das gar nicht erst im Kehricht landet, schont ihn.

Warum Trennen trotzdem wichtig ist

Eine KVA kann viel, aber nicht alles. Manche Materialien gehören nicht in den Kehricht, weil sie sich separat besser verwerten lassen oder in der Anlage Probleme machen:

  • Glas: Es brennt nicht und landet in der Schlacke. Separat gesammelt wird daraus neues Glas. Siehe Glas entsorgen.
  • Metalle: Aus der Schlacke lassen sich zwar Metalle zurückgewinnen, sortenrein gesammeltes Altmetall ist aber hochwertiger und braucht weniger Aufwand.
  • Batterien und Akkus: Sie enthalten Schwermetalle und können Brände auslösen, sowohl im Kehrichtfahrzeug als auch im Bunker. Sie gehören an die Sammelstelle. Siehe Batterien entsorgen.
  • Sonderabfall: Farben, Chemikalien und Spraydosen gehören an eine Sonderabfallsammlung oder zurück an die Verkaufsstelle.
  • Grüngut: Rüstabfälle und Gartenabfälle enthalten viel Wasser und brennen schlecht. In der Vergärung oder Kompostierung entstehen daraus Biogas und Kompost.

Kann ich selbst Abfall in die KVA bringen?

Viele KVA haben eine Annahmestelle, an der auch Privatpersonen brennbaren Abfall und Sperrgut abgeben können. Meistens wird nach Gewicht verrechnet. Ob die Anlage in Ihrer Region Privatanlieferungen annimmt, zu welchen Zeiten und zu welchem Preis, ist von Anlage zu Anlage verschieden. Prüfen Sie das vor der Fahrt auf der Website der Anlage. Für Elektrogeräte, Metalle oder Glas sind ein Recyclinghof oder eine Sammelstelle die richtige Adresse. Mehr zum Thema finden Sie im Ratgeber Sperrgut entsorgen.