Ratgeber

Bauabfälle trennen: sortenrein statt Mischabfall

Bei Bauarbeiten schreibt die Abfallverordnung des Bundes vor, Abfälle auf der Baustelle möglichst sortenrein zu trennen. Das schont Rohstoffe und senkt in der Regel die Entsorgungskosten.

Warum Bauabfälle getrennt werden müssen

Bei Umbau, Renovation und Rückbau fallen grosse Mengen Abfall an. Ein grosser Teil davon lässt sich verwerten: Beton und Mischabbruch werden zu Recycling-Baustoffen, Metalle werden eingeschmolzen, Holz wird stofflich oder energetisch genutzt. Das funktioniert aber nur, wenn die Materialien sauber getrennt sind. Ein Mischabfall-Container voller Gips, Holz, Plastik und Ziegel lässt sich kaum mehr verwerten und muss aufwendig nachsortiert oder verbrannt werden.

Die Trennung ist in der Schweiz nicht nur sinnvoll, sondern vorgeschrieben. Die Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) regelt in Art. 17, dass bei Bauarbeiten Sonderabfälle von den übrigen Abfällen zu trennen und separat zu entsorgen sind. Die übrigen Bauabfälle sind auf der Baustelle möglichst sortenrein zu trennen.

Diese Kategorien nennt die VVEA

Gemäss Art. 17 VVEA sind Bauabfälle auf der Baustelle in folgende Kategorien zu trennen:

  • Ober- und Unterboden (Humus und darunterliegende Bodenschicht)
  • Aushub- und Ausbruchmaterial, unterschieden nach Belastung
  • Mineralische Rückbaumaterialien: Asphalt, Beton, Strassenaufbruch, Mischabbruch, Ziegelbruch und Gips
  • Weitere verwertbare Abfälle wie Glas, Metalle, Holz und Kunststoffe
  • Brennbare Abfälle, die sich nicht verwerten lassen
  • Übrige Abfälle

Ist die Trennung auf der Baustelle betrieblich nicht möglich, muss sie in geeigneten Anlagen erfolgen. Die Behörde kann zudem eine weitergehende Trennung verlangen, wenn sich dadurch zusätzliche Anteile verwerten lassen. Wie die Kantone dies im Einzelnen umsetzen, kann sich unterscheiden.

Grössere Bauvorhaben: Angaben schon im Baugesuch

Bei grösseren Projekten beginnt die Planung der Entsorgung bereits vor dem ersten Hammerschlag. Nach Art. 16 VVEA muss die Bauherrschaft im Baubewilligungsgesuch Angaben zu Art, Qualität und Menge der Abfälle und zu ihrer geplanten Entsorgung machen, wenn voraussichtlich mehr als 200 Kubikmeter Bauabfälle anfallen oder wenn Abfälle mit umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Stoffen wie PCB, PAK, Blei oder Asbest zu erwarten sind. Auf Verlangen der Behörde muss nach Abschluss der Arbeiten nachgewiesen werden, dass die Abfälle entsprechend entsorgt wurden.

Auch wenn Ihr Projekt kleiner ist: Bei älteren Gebäuden lohnt es sich, vor dem Umbau abzuklären, ob Schadstoffe vorhanden sind. Mehr dazu im Ratgeber zu Asbest.

Schadstoffe zuerst

Die Reihenfolge ist wichtig: Zuerst werden Sonderabfälle und schadstoffhaltige Bauteile entfernt, danach folgt der eigentliche Rückbau. So verhindern Sie, dass Schadstoffe in sauberes Material gelangen und eine ganze Mulde unbrauchbar machen. Typische Problemstoffe auf Baustellen sind:

  • asbesthaltige Materialien, etwa in Faserzement, Plattenklebern, Bodenbelägen oder Fensterkitt bei älteren Gebäuden (siehe Asbest und Eternit entsorgen)
  • Farben, Lacke, Lösungsmittel und Kleber in Gebinden (siehe Farbe und Lack entsorgen)
  • Leuchtstoffröhren, Batterien und Elektroteile
  • imprägniertes oder beschichtetes Holz, das als problematischer Holzabfall gilt

So trennen Sie auf der Baustelle

  • Mengen abschätzen: Überlegen Sie vor Baubeginn, welche Materialien in welchen Mengen anfallen. Daraus ergibt sich, wie viele Mulden oder Behälter Sie brauchen.
  • Mehrere Behälter stellen: Auch auf kleinen Baustellen sind oft zwei bis drei Behälter sinnvoll, etwa für Bauschutt, Holz und brennbare Abfälle. Metall lässt sich in einer Ecke sammeln.
  • Klar beschriften: Schilder an jeder Mulde helfen allen Beteiligten, auch Handwerkern anderer Firmen.
  • Gips separat: Gips gehört nicht in den Bauschutt, weil er die Verwertung von Beton und Mischabbruch stört. Siehe Gips entsorgen.
  • Verbundmaterialien vermeiden: Was sich mit vertretbarem Aufwand trennen lässt, zum Beispiel Holz von Metallbeschlägen, sollte getrennt werden.
  • Verpackungen getrennt sammeln: Karton, Folien und Styropor von Baumaterial fallen oft in grossen Mengen an.
  • Verantwortung festlegen: Bestimmen Sie, wer auf der Baustelle für die Trennung zuständig ist und die Mulden kontrolliert.

Warum sich sortenreines Trennen lohnt

Sortenreine Fraktionen lassen sich in der Regel günstiger entsorgen als Mischabfall, weil sie direkt verwertet werden können und weniger Sortieraufwand verursachen. Wie gross der Unterschied ist, hängt von der Region, der Annahmestelle und dem Material ab. Vergleichen Sie die Preise pro Tonne oder Kubikmeter für die einzelnen Fraktionen in den Offerten. Zudem sparen Sie Deponieraum und Rohstoffe, und Sie vermeiden Ärger mit der Behörde.

Nachweise aufbewahren

Bewahren Sie Lieferscheine, Wiegescheine und Entsorgungsbelege der Annahmestellen auf. Sie zeigen, welche Mengen wohin gegangen sind. Das ist hilfreich, wenn die Behörde einen Nachweis verlangt, und erleichtert die Kontrolle der Rechnungen. Bei grösseren Projekten kann es sinnvoll sein, die Entsorgung im Bauprogramm festzuhalten, damit alle beteiligten Firmen nach denselben Regeln trennen.

Kleine Mengen: Recyclinghof statt Mulde

Bei einer kleinen Renovation lohnt sich eine Mulde oft nicht. Viele Recyclinghöfe und Sammelstellen nehmen Bauschutt, Holz und Metall in haushaltsüblichen Mengen an, teilweise gegen Gebühr. Die Bedingungen sind je nach Gemeinde verschieden. Annahmestellen finden Sie unter Recyclinghof & Sammelstellen, für grössere Mengen im Verzeichnis Muldenservice und bei den Recycling-Firmen.