Warum es keine einheitliche Regel gibt
Bei PET, Glas oder Aluminium ist die Sache in der Schweiz klar: Diese Wertstoffe werden fast überall gleich gesammelt. Beim übrigen Kunststoff sieht es anders aus. Plastikverpackungen gelten als Siedlungsabfall, und für Siedlungsabfall sind die Gemeinden und ihre Zweckverbände zuständig. Deshalb haben sich in den letzten Jahren regional unterschiedliche Sammelsysteme entwickelt. Was in einer Gemeinde in den Sammelsack darf, gehört in der Nachbargemeinde vielleicht noch in den Kehricht.
Dieser Ratgeber erklärt die drei häufigsten Situationen. Welche davon bei Ihnen gilt, erfahren Sie im Abfallkalender oder auf der Website Ihrer Gemeinde.
1. Ihre Gemeinde hat einen Kunststoff-Sammelsack
In vielen Gemeinden gibt es kostenpflichtige Sammelsäcke für gemischte Kunststoffverpackungen. Sie kaufen die Säcke, füllen sie zu Hause und bringen sie an eine Sammelstelle. Das kann je nach Region der Detailhandel, der Werkhof der Gemeinde oder ein privates Recycling-Center sein. Laut Swiss Recycle sind bzw. waren unter anderem folgende Systeme im Einsatz: RecyBag, KUH-Bag, Kunststoff-Sammelsack, Migros-Sack und der Sammelsack von InnoRecycling. Welche Säcke in Ihrer Gemeinde gelten und wo Sie sie abgeben, ist lokal geregelt.
Die Branchenorganisation RecyPac hat im Januar 2025 eine national einheitliche Sammlung mit dem RecyBag gestartet, der seither in immer mehr Regionen erhältlich ist. Er nimmt neben Plastikverpackungen auch Getränkekartons auf. Die Systemlandschaft ist also in Bewegung: Prüfen Sie ab und zu, ob sich bei Ihnen etwas geändert hat.
2. Ihre Gemeinde hat (noch) keine Kunststoffsammlung
Gibt es in Ihrer Gemeinde kein Sammelsystem, gehören gemischte Plastikverpackungen in den Kehricht. Das ist kein Fehler: In der Kehrichtverwertungsanlage wird der Abfall verbrannt, und die Energie wird für Strom und Fernwärme genutzt. Wenn Sie trotzdem separat sammeln möchten, fragen Sie bei Ihrer Gemeinde nach, ob ein Sammelsack in der Region an einer Verkaufsstelle zurückgenommen wird.
3. Plastikflaschen beim Detailhandel
Unabhängig von der Gemeinde stehen bei vielen grossen Detailhändlern Sammelbehälter für bestimmte Plastikflaschen, zum Beispiel für Milch-, Shampoo- oder Reinigungsmittelflaschen. Was genau angenommen wird, steht auf dem Behälter. Diese Flaschen gehören nicht in die PET-Sammlung.
Was in den Kunststoff-Sammelsack gehört
Die Angaben unterscheiden sich je nach System leicht. Typischerweise gehören dazu:
- Flaschen aus Kunststoff (nicht PET-Getränkeflaschen)
- Beutel, Folien und Tragtaschen
- Becher, zum Beispiel von Joghurt
- Schalen, etwa für Fleisch, Obst oder Gemüse
- Tuben und Deckel aus Kunststoff
- beim RecyBag zusätzlich Getränkekartons
Restentleert reicht: Die Verpackungen müssen nicht ausgewaschen werden. Es genügt, wenn sie leer sind.
Was nicht in den Kunststoff-Sammelsack gehört
- PET-Getränkeflaschen: Sie haben ihre eigene, bewährte Sammlung. Mehr dazu im Abfall-ABC zu PET-Flaschen.
- Stark verschmutzte Verpackungen und Einweggeschirr: Kehricht.
- Styropor: Wird je nach Gemeinde separat gesammelt oder gehört in den Kehricht. Siehe Styropor entsorgen.
- Spielzeug und andere Kunststoffgegenstände: Wenn noch brauchbar, weitergeben; sonst Kehricht oder, bei grossen Stücken, Sperrgut.
- Elektrogeräte und Spielzeug mit Batterie: Zurück zum Händler oder an die Elektrosammlung.
Und die Getränkekartons?
Getränkekartons für Milch oder Saft bestehen aus Karton, Kunststoff und oft einer dünnen Aluschicht. Sie gehören deshalb nicht ins Altpapier. Wo der RecyBag eingeführt ist, kommen sie zusammen mit den Plastikverpackungen in den Sack. Wo es keine Sammlung gibt, gehören sie in den Kehricht. Einige Gemeinden und Detailhändler sammeln Getränkekartons auch separat; Hinweise dazu finden Sie an der Sammelstelle.
Grosse Kunststoffteile
Gartenmöbel, Planschbecken, Kunststoffkisten oder Regentonnen sind keine Verpackungen und gehören nicht in den Sammelsack. Je nach Grösse gehen sie in den Kehricht oder ins Sperrgut. Manche Recyclinghöfe nehmen sortenreine Hartkunststoffe separat an. Fragen Sie am besten direkt an der Sammelstelle nach. Für grössere Mengen, zum Beispiel aus Gewerbe oder Umbau, kann eine Mulde sinnvoll sein; Hinweise finden Sie unter Muldenservice.
Lohnt sich das Sammeln?
Swiss Recycle verweist auf eine Ökobilanz, wonach pro Tonne separat gesammelter und rezyklierter Kunststoffverpackungen rund 1,5 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart werden. Voraussetzung ist eine gute Sortenreinheit. Falsch eingeworfene Gegenstände müssen aufwendig aussortiert werden. Deshalb gilt: Sammeln Sie nur, was das System Ihrer Gemeinde ausdrücklich vorsieht.
Was sich in Zukunft ändern kann
Die Bundesgesetzgebung zu Verpackungen wird überarbeitet. Laut Swiss Recycle sind für Kunststoffverpackungen und Getränkekartons Recyclingziele in Diskussion. Was das konkret für Ihre Gemeinde bedeutet, ist noch offen. Es ist gut möglich, dass Sammelsysteme in den nächsten Jahren einheitlicher werden.
So finden Sie heraus, was bei Ihnen gilt
- Abfallkalender oder Abfallwegleitung der Gemeinde lesen
- Auf der Website der Gemeinde nach «Kunststoff» oder «Plastik» suchen
- An der Sammelstelle nachfragen
- Die Gemeindeseiten unter Recyclinghof & Sammelstellen zeigen Sammelstellen in Ihrer Nähe
Für einzelne Gegenstände hilft auch das Abfall-ABC zu Plastik.